Geschichten rund um Pferd und Hund

Gnadenbrotpferde zum Schlachter

Ich konnte es kaum glauben, als ich von dem Fall in Brandenburg hörte. Die Zeitschrift Cavallo berichtete ebenfalls in der Ausgabe 08.2010. Da hat ein Landwirt über’s Internet Beistellpferde oder „Pferde zum kuscheln“ gesucht. So eine Sauerei. Was ich am liebsten mit diesem Betrüger machen würde schreibe ich hier mal lieber nicht. Und es gab leider genug gutgläubige Menschen, die Ihr Pferd abgeben und ihm einen schönen Lebensabend bieten wollten. Das so etwas in unserer Zeit (praktisch) nur für Geld zu haben ist, daran hat wohl niemand gedacht. Und so kam es wie es kommen musste. Der Landwirt war ein Betrüger und hat die Pferde direkt nach Belgien zum Schlachter weiterverkauft.
Bei allem Mitleid (wirklich) mit den Pferdebesitzern frage ich mich schon, wie gutgläubig man sein kann. An unserem letzten Pferdestall stand auch ein Pferd, welches sein Gnadenbrot hier genoss. Allerdings zahlten die Besitzer auch für die Vollpension. Da die Bäuerin sehr nett ist nicht den vollen Preis, aber auch nicht für umsonst. Das geht ja praktisch auch nicht. Und wer mir das Gegenteil weiß machen möchte, der denke bitte mal an die ganzen Tierheime. Die bekommen noch Spenden, werden oftmals von der Stadt unterstützt und müssen doch an allen Ecken und Kanten sparen.

Laut meiner Recherche kamen hier einige Dinge zusammen, die dem verbrecherischen Landwirt das Betrügen erleichterte.
Zum einen suchte er sich nur Pferde aus, deren Besitzer mehrere hundert Kilometer weg wohnten. Besuche gestattete er (weil er angeblich viel unterwegs sei) nur nach Voranmeldung. Ja hallo, da müssen doch die Warnlampen angehen! Zumindest hätte ich mir bei unserem Pferd (welches über 15 Jahre in unserem Besitz ist) die Mühe gemacht und wäre mal ein Wochenende überraschend hin gefahren. So viel Einsatz ist mir unser liebgewonnenes Tier schon wert. Und selbst wenn der Landwirt nicht da ist, so kann man doch die Anlage sehen. Und die Tiere müssen ja auch versorgt werden. Also muss doch jemand da sein.
Des weiteren fühlten sich die Besitzer der Pferde sicher, da der Landwirt Schutzverträge anbot. Die rechtliche Bedeutung von Schutzverträgen ist so eine Sache. Wie die Juristen so schön sagen: Es kommt darauf an. Das ein Schutzvertrag oftmals überhaupt keine rechtliche Bindung hat dürfte ja wohl auch jeder mitbekommen haben. Und wenn mir mein Tier lieb und teuer ist, informiere ich mich vorher, sofern mir der Begriff Schutzvertrag nicht geläufig ist.
Am tollsten finde ich allerdings, das der verbrecherische Landwirt den regulären Besitzern nach einer Weile mitteilte, das das Pferde verstorben sei, notgeschlachtet werden musst oder er brach den Kontakt mit den Besitzern einfach ab. Da muss ich ja nun die Intelligenz des Betrügers in Frage stellen. Es ist doch wohl klar, das spätestens jetzt die Besitzer mal ein bisschen tiefer nachforschten. Und das die ganze Angelegenheit (zumindest in der Größenordnung wie hier betrieben) dann auffallen muss, ist doch wohl klar.

Wenn ich es mir recht überlege, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wie kann man so herzlos sein und die Gefühle anderer Menschen mit Füßen treten? Wie kann man so mit wehrlosen Schutzbefohlenen umgehen? Aber auch, wie man so gutgläubig sein kann, sein langjähriges Pferd, mit dem man durch Dick und Dünn gegangen ist, so leichtfertig abzugeben? Zumal so ein ähnlicher Fall sich schon 2008/2009 ereignet hat.

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