Geschichten rund um Pferd und Hund

Verladen, oder Wie ich mein Pferd sicher auf den Hänger führe!

Aus gegebenen Anlaß hier mal ein paar Tipps, wie man sich (und seinem vierhufigen Kollegen) das Leben (und insbesondere Hängerfahren) einfacher gestalten kann. Zudem gehört das Thema ja auch mit zum Reitsport. Die folgende Aufzählung ist sicherlich nicht komplett. Das ein oder andere funktioniert vielleicht auch nicht bei jedem Pferd. Aber die Summe der Ratschläge sollte das Verladen einfacher und angenehmer machen.

1. Erste Bürgerpflicht: Immer cool bleiben. Die meisten Leute haben Probleme mit Ihrem Pferd, wenn sie selbst nervös, aufgeregt oder sonst irgendwas sind. Also: Keep Cool! Denn damit vermittelt man dem Pferd, das ist doch was ganz normales. Folglich auch nicht von einer mittleren Menschenansammlung das Verladen beobachten lassen. Je mehr Leute, desto ungewohnter ist die ganze Aktion für den Vierbeiner (außer sie machen aus jedem Verladen ein Happening;)).

2. Cool Fahren! Das Pferd steht hinten fast so wie die Leute in der Straßenbahn. Nur kann sich das Pferd nicht festhalten. Also bitte langsam fahren! Insbesondere in Kurven, aber auch durch Schlaglöcher (haben wir in Deutschland ja mittlerweile mehr als in Polen). Beim nächsten Verladen wird sich das Pferd an die letzte Fahrt erinnern. Und wenn da der Bruder/Schwester von Michael Schumacher gefahren ist, wird das Pferd (wenn es einigermaßen schlau ist, und die haben ja bekanntlich die größeren Köpfe) beim nächsten Verladen Stress machen.

3. Dem Pferde den Anhänger schmackhaft machen. Nene, der Hänger soll nicht gefressen werden. Aber ein gut gefülltes Heunetz macht den Hänger für ein Pferd sicherlich attraktiver.

4. Zuckerbrot statt Peitsche. Wir haben zur Zeit ein neues Familienmitglied. Einen 9 Wochen alten Welpen. Der muß natürlich noch viel lernen. Und da wird einem erst mal wieder bewußt, das es mit Lob, Streicheleinheiten und einem kleinen Leckerchen viel besser funktioniert als mit Schlägen (ich bin ein prinzipieller Feind davon, mit Schlägen zu erziehen, egal wen!). Übertragen auf unseren Sportkameraden, der auf den Hänger soll: Sobald er auf dem Hänger ist, viel loben, streicheln und ein kleines Extra für den hohlen Zahn. In ganz schweren Fällen kann man ja auch mit dem Leckerchen (ansonsten vielleicht eine Karotte?) etwas locken.

5. Den Hänger so weit wie möglich öffnen. Pferde mögen keine schmalen, kleinen Durchgänge! Auch die Plane nicht vergessen. Wenn die halb herunterhängt, ist ein Drittel des Eingangs schon optisch blockiert.

6. Darauf achten, das der Hänger gut beleuchtet ist. Zur Not die elektrische Beleuchtung des Hängers benutzen. Wenn das Pferd sieht, das sich auf dem Hänger nichts gefährliches befindet, geht es sicherlich eher auf den Hänger als wenn es sich um ein schwarzes Loch handelt.

7. Bei schwierigen Fällen hat sich auch die Gerte bewährt. Nein, nein, nicht wie ihr jetzt vielleicht denkt. Aber man kann die Gerte gut dazu benutzen, das Pferd ein wenig nach links oder rechts zu manövrieren. Insbesondere wenn man vorne am Führstrick steht, kann man mit der Gerte den Hintern wieder ein bisschen zur Mitte bewegen.

8. Einfach kann man sich das Leben auch machen, wenn man zu zweit verlädt. Auf jeden Fall kann die zweite Person hinten die Stange einhängen, wenn Person eins das Pferd erfolgreich auf den Hänger geführt hat. Und wenn das Pferd nicht so richtig auf den Hänger will, hilft manchmal auch einfach ein bisschen schieben. Aber nicht zu feste und nur, wenn man sicher vor Tritten ist. Unserer Dinah vertraue ich da sehr. Manche sagen ich sei zu vertrauensselig Aber ich bin zumindest noch nie getreten worden (außer als Teenager von einem Fohlen, aber das ist ja nun schon etliche Jahre her). Vielleicht merken die Tiere instinktiv das ich sehr tierlieb bin?

9. Und zuletzt der beste Tipp: Das Pferd nicht nur zu unangenehmen Fahrten verladen (Arztbesuch, o.ä.). Das merkt es sich ja auch. Also glücklich ist hier wirklich derjenige, der einen eigenen Hänger besitzt und auch einfach mal eine Lustreise machen kann. Pferd verladen, mal eben ein paar Kilometer gefahren und dann eine Runde reiten. Das ist auch für das reitplatzgewöhnte Pferd eine angenehme Erfahrung.

Zwei Anmerkungen seien mir noch erlaubt.
Zum einen möchte ich ein bisschen Mitgefühl für unsere vierhufigen Freunde erbitten. Für ein Fluchttier (und darüber ist sich ja zur Zeit jeder aufgeklärten Reiter im klaren) ist so eine enge Box, die sich auch noch unkontrolliert hin und her bewegt und einen oftmals in unangenehme Situationen (sprich Tierarzt) bringt doch sehr suspekt. Selbst Kleinigkeiten können einen da ganz schön aus der Fassung bringen. Dinah wollte mal nicht auf den Hänger, weil er hell statt dunkel war. Ich hatte mir kurzfristig einen anderen Hänger geliehen, und der war eben von innen hell. Fand sie gar nicht lustig.
Zum zweiten möchte ich dringend darum bitten die technischen Vorgaben einzuhalten. Die zulässige Anhängelast wird nicht aus Langeweile in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Und bei einem Doppelanhänger bringen zwei Pferde alleine (ohne das Gewicht des Hängers) ja schon deutlich über eine Tonne auf die Waage. Also Leute, haltet euch an die Vorgaben und kommt nicht mit so dummen Sprüchen wie: Jaja, ist ein bisschen grenzwertig! Dann gibt es auch keinen Stress mit den Grünen und Ihr seid auf der sicheren Seite. Jeder dem schon mal auf der Autobahn oder Landstraße ein Hänger ins schlingern geraten ist, weiß wovon ich rede und wird mir sicherlich zustimmen.
 
Und noch ein kleiner Nachtrag vom 10.09.2013:
Ein aufmerksamer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass sich Bereich der Pferdeanhänger einiges getan hat. Gerade die Herren der Schöpfung kaufen ja oftmals einen alten Hänger und basteln sich den wieder zurecht. Das ist für den Hobbyhandwerker sicherlich eine interessante und leicht zu realisierende Aufgabe und macht unter Umständen sogar Spaß. Allerdings sollte man (und da muss ich dem aufmerksamen Leser zustimmen) bedenken, dass sich bei den Hängern und insbesondere bei den Werkstoffen einiges getan hat. Ein moderner Pferdehänger ist wesentlich leichter als ein alter Holzhänger und trotzdem wesentlich stabiler. Nicht zu vergessen der Windwiderstand. Daran hat bei den alten Holzhängern noch kein Mensch gedacht. Heutzutage für die Hersteller eine Selbstverständlichkeit. Und sooooo teuer ist ein neuer Hänger auch nicht. Sie werden überrascht sein. Das Anhängercenter (nur als Beispiel) bietet Markenanhänger in der Ausführung für zwei Pferde schon für unter 5000 € an. Und da braucht man auch keine Angst zu haben, dass das geliebte Reittier beim ersten Schlagloch während der Fahrt durch den verrotteten Holzboden auf den Asphalt knallt.

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